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Archive für 6.2.2009

Gelungener Start der “Oste-Cup”-Laufserie

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Vereinsblatt vom 04.02.09

Dieter Cossen trotzt dem sibirischen Winter beim Eis-Marathon in Omsk

 Sechster Platz in der Altersklasse Männer 65 – Nach Moskau mit der „Transsib“

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Omsk/Wilstedt (hr). Marathoni Dieter Cossen kennt die Welt als laufender Kosmopolit und Mann von Welt. Wenn er sich trotz seiner mittlerweile 65 Jahre etwas vorgenommen hat, führt er es auch durch. Er hält es da mit dem US Präsidenten Barack Obama und sagt „Yes, I can“.
Diesem Leitmotiv folgend nahm er am 7. Januar, dem Tag der russischen Weihnacht, im sibirischen Omsk auch an einem Halbmarathon (Siberian-Ice-Marathon) über rund 21 Kilometer teil und absolvierte die Strecke in etwas mehr als zwei Stunden. Die äußeren Bedingungen waren mit minus 21 Grad Celsius für sibirische Verhältnisse erträglich. Dieter Cossen: „Neben meiner Person gingen in Omsk noch Florian Drechsler (25), aus Neustadt in Holstein, der Extremsportler Stefan Schlett (47) aus Kleinostheim/Hanau, Frank Schulz (51) aus Dresden und Patrick Wiening (26) aus Pelzerhagen in Holstein an den Start.“  Vorbereitet hatte sich der agile Wilstedter vom SV Hepstedt/Breddorf auf diese sportliche Herausforderung nach einem Trainingsplan über einen Zeitraum von sechs Wochen als Intervalltraining mit Unterstützung der Lauffreunde aus Grasberg und vom Lauftreff des SV Hepstedt/Breddorf. Die Kurzstrecken lief er auf der Bahn im Flecken Ottersberg und die langen Strecken in Wilstedt und umzu. Die Anreise nach Russland erfolgte per Flugzeug von Hamburg nach Moskau und dann weiter nach Omsk. Die Rückreise nutzte der Pensionär für eine erlebnisreiche Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn (Transsib) von Omsk in die russische Metropole, um dann von dort wieder mit dem Flugzeug nach Hamburg zu fliegen. Bei dem Halbmarathon ging Dieter Cossen mit der Startnummer 46 ins Rennen. Die Strecke führte weitgehend am Fluß “Irtysch” entlang, durch den Omsker Stadtpark und den historischen Teil der sibirischen Millionen
stadt. 

alaufbild-omsk-sib-mar.jpgalaufbild-sibice.jpg

Am Start wurden die Läufer durch Angehörige und Fans der Putin-Partei „Vereintes Russland“ behindert. Diese “fans”, Damen jenseits der 50 in Pelzmänteln, hatten sich auf der Startlinie postiert. Start war um 13.00 Uhr auf dem Sobornaja Platz, neben der schönsten griech.-orthodox. Kirche von Sibirien, der Uspenski Kirche. Es dauerte schon eine gewisse Zeit, bis sich das Läuferfeld und jeder seinen Rhythmus gefunden hatte. Dieter Cossen berichtet, dass er den 21 Kilometer langen Rundkurs, zunächst sehr vorsichtig, später aber gut durchgelaufen ist. Die Strecke wurde zuvor vom Schnee befreit. Die Zeitmessung erfolgte durch “Championchip”, ebenso die Laufstreckenkontrolle.Die Verpflegung während des Laufs wurde von uns organisiert, vom Veranstalter war da nichts vorgesehen. Mein”outfit” hat 100%  gepaßt, weil an den körperlichen Schwachstellen ausreichend gegen Wind und Kälte präpariert und an den Vortagen getestet. Amüsiert äußert er sich über die Teilnehmer, die sogar mit freiem Oberkörper den Lauf absolviert haben. Insgesamt waren bei dem Halbmarathon 824 Teilnehmer am Start, 641 Männer und 183 Frauen. Bei den Männern siegte Wadim Ulischow aus Murmansk in 1:08: 25 Stunden und bei den Frauen Jewgenia Danilowa aus Omsk in 1:20:57 Stunden. Dieter Cossen erreichte den 235. Rang, es war der sechste Platz in der Altersklasse Männer 65. Eine respektable Leistung.

badeninderheiligenquelle097.JPGeisangelnimirtysch071.JPGmetrostation-in-moskow-032.JPG

Wenn auch der Lauf das Hauptmotiv für die Reise nach Sibirien war, so bleiben viele Eindrücke, wie die Stadtbesichtigung von Moskau mit Kremel, Roter Platz, Bolschoi Theater, Lenin Mausoleum und insbesondere, die zum Teil bis zu 57 Meter unter der Erde befindlichen METRO Stationen waren mit Stuckdecken, Deckenmalereien und Mosaiken ausgestattet. Die Metro-Stationen vermitteln manchmal den Eindruck von griechischen Thermalbädern und sind keineswegs mit verschmierten ungemütlichen Haltestellen, wie wir sie hier kennen, zu vergleichen. Es sind gepflegte Räume unter der Erde. Historisch auch das Mahnmal aus gekreuzten Eisenbahnschienen am Stadtrand von Moskau, hier kam im 2. Weltkrieg der geplante deutsche Angriff auf  Moskau zum erliegen; jetzt ist dort auf gleicher Höhe ein IKEA Markt.
Auch die Eisangler auf dem “Irtysch”, die bei eisiger Kälte stundenlang, über einem ins Eis gebohrten Loch von ca. 20 Durchmesser hocken, um mit einer handgeführten Angelschnur, “Kleinbarsche”  von max. 10 cm Länge zu fangen!
Oder die Besichtigung der Klosteranlage “Achair” 45 Kilomter von Omsk , mit einer “Heiligen Quelle” unter freiem Himmel. Hier hatte man die Möglichkeit eines Bades zum “Reinwaschen”; das unvergessliche Gespräch mit dem Mönch, der von 1941-1943 als 11 jähriger in Berlin war und von dort mit seiner Mutter geflüchtet ist. Von dem Kloster sind es nur noch 1.200 Kilometer bis zur chinesischen Grenze, so groß ist Rußland!!
Eine Einladung zum Te
e bei der Familie unseres “Mannes vor Ort”, Wladimir Lawrow, Vize-Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Omsk, ein ehemaliger Offizier des Russ. Armee, 47 Jahre alt, spricht fließend deutsch, chinesisch und englisch. Dann meine  Verabschiedung von der Gruppe und Fahrt über 2.712 Kilometer mit der Transsib. Eisenbahn im 4 Personenabteil, voll besetzt, 2 Tage und 2 Nächte von Omsk nach Moskau. Kein Touristenzug; 36 Personen für 1 Toilette mit Kleinstwaschbecken, in der Größenordnung, wie wir es auch von der DB kennen. Gut, daß ich mir eine Rolle Toilettenpapier aus dem Hotel einfach stiebitzt habe; es war nicht ein einziges Blatt vorhanden!!! Aber sonst war Katzenwäsche mit Waschlappen und Elektrorasur möglich.
Nachts, bei eisiger Kälte kommen die ärmsten der Armen beim Halt auf den Bahnhöfen an den Zug und bieten Wasserflaschen, einzelne Teebeutel, Tütc
hen mit
Extraktkaffee für eine Tasse Kaffee,  getrockneten Fisch, selbstgestrickte Pullover u.s.w. zum Kauf an. Nix mit Pelzmantel, Krimsekt, Goldzähne und Kampfhund!
Ich habe mir mein Abteil mit 2 Frauen, schliefen und wohnten oben und bis Jekaterinburg mit einem 26 jährigen Leutnant geteilt, der kam aus Nowosibirsk und war schon 16 Stunden unterwegs. Zu Beginn habe ich auf einem alten Briefumschlag meine Fragen aufgemalt, später gings auf englisch. Der Leutnant verdient 1.500 Rubel, will im nächsten Jahr heiraten und muß dann ca. 700 Rubel Miete bezahlen! Wir haben uns richtig ein wenig angefreundet; ich will ihm einige Bilder schicken.
Als nächstes kam ein älteren Soldat ins Abteil; da war keine Unterhaltung mehr möglich. Im Speisewagen kosten ein kl. Tomatensalat, eine rote Kohl/Zwielbel-Suppe, kl. Hühnerschnitzel, 1/2 Liter Dosenbier, 430 Rubel, ca. 11,–€. 2 in Öl gebackene Brötchen zum Frühstück, sehen aus wie Apfeltaschen,  kosten 70 Rubel, ca. 1,80 €.
In den anderen Abteilen findet richtiges “Leben und Wohnen”statt!! Da haben schon einige über 7.000 Kilometer im Zug verbracht! Als wir morgens um 5.00 Uhr am Endbahnhof in Moskau ankommen war ich erstaunt, was alles aus dem Zug getragen wurde!

Jetzt will ich auch zum Schluß kommen.
Es war ei
ne erlebnisreiche Laufreise, genau wie ich sie liebe, denn ”Auf den Mix kommt es an”


vor-der-trans-sib-eisenb-200.JPG

Dieter

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